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schaufenster [2]



 

Im Land der Mode - Italien. Verführisch gekleidete Damen, adrette Herren. Unnahbar. Regungslos hinter Glas gebannt. Bzw. verbannt. Schaufensterpuppen sind abstrahierte Abbilder von Idealschönheiten, einerseits bewundert, ja als Vorbild betrachet . Meist im Alltag jedoch ausgeblendet aus unserem Sichtfeld. Stumme Schatten der Modeindustrie ohne Alter.
Wahre Schönheit kann altern und dabei reizvoll bleiben - man denke an von Lebensjahren gezeichnete weise Gesichter. Eine Puppe jedoch veraltet und wird, aus der Mode gekommen, dem Sperrmüll übergeben. (In der gleichen italienischen Stadt fand ich einige ausgesonderte
"Schaufensterbeine" eines Strumpfgeschäftes auf der Straße liegend. Trotz Cellulitis-Resistenz war deren Schönheit längst verblichen).

Schaufensterpuppen sind Gebrauchsobjekte und sollen hauptsächlich der Präsentation von Kleidung in der getragenen Form, sprich "am Mann" bzw. "an der Frau" dienen. Auf dem Jahrmarkt kommt der Händler auch mit Kleiderbügeln aus. In den Modehäusern (Benetton, Zara) übernimmt die Puppe jedoch gleichzeitig das Vermitteln des Schönheitsideales und zusätzlich auch ein Stück Lebensstil (unnahbare Kühle, mädchenhafte Verspielheit).
Dem Betrachter wird suggeriert: So würde-muss-will ich auch aussehen mit diesem Kleid/diesem Shirt!

Wirkliches Leben setzt Kontraste zur einseitigen Idealwelt. Es pulsiert vor dem Schaufenster. Dieses selbst zeigt uns spiegelnd und transparent Durchblick gewährend weitere und wirklichere Schichten - Menschen im Gespräch auf der Straße und im Ladeninneren, Menschen in Bewegung, alt und jung, Menschen jenseits von Glasscheibe und Schönheitsideal. Wobei
"jenseits" nicht "abseits" bedeutet, ein jeder legt schließlich mehr oder weniger Wert auf sein Äußeres um sich selbst oder den/die Liebste(n) zu erfreuen.
Ob uns die kühlen Eleganz hinter Glas aber eher beschattet und nur auf eine Gelegenheit zu wartet, dass wir uns umdrehen und ihr verfallen, oder ob wir sie belächelnd als leere Kopie betrachten hängt sowohl vom Lebensstandpunkt als auch letztendlich vom Geldbeutel ab.

 

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